Was ist Fan Fiction?

Geschichte der Fan Fiction

Die Anfänge der Fan Fiction gehen viele Jahrhunderte zurück: Bereits im Mittelalter hatte es zahlreiche Bearbeitungen der Artus-Sage gegeben, und im Jahr 1614, als Miguel de Cervantes Saavedra gerade am zweiten Teil seines Romans „Don Quijote“ arbeitete, brachte ein unbekannter Autor, der sich Alonso Fernández de Avellaneda nannte, eine inoffizielle Fortsetzung auf den Markt. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verfassten Fans Geschichten über Sherlock Holmes und und über „Alices Abenteuer im Wunderland“, und in den 1960er und 1970er Jahren waren es vor allem „Star Trek“-Fangeschichten, die sehr populär wurden. Fan Fiction zu Klassikern wie „Star Trek“ und „Star Wars“ entsteht auch heute noch, doch inzwischen ist sie an Beliebtheit von Harry Potter und von Animes überholt worden.

Häufig geht es bei Fan Fiction darum, die Lücken auszufüllen, die in den offiziellen Geschichten geblieben sind: Was ist zum Beispiel im Star-Wars-Universum in den knapp 20 Jahren passiert, die zwischen Episode 3 und 4 liegen? Wie geht es mit Harry Potter, Ron und Hermine weiter, nachdem sie Hogwarts verlassen haben? Welche Abenteuer haben Captain Picard und seine Mannschaft bestanden, die in weder in „Star Trek: The Next Generation“ noch in den Filmen oder den Romanen zur Serie abgehandelt wurden? Was geschah mit Frodo Beutlin und seinen Gefährten, nachdem „Der Herr der Ringe“ abgeschlossen war?

Fan Fiction erscheint praktisch nie bei einem Verlag, sondern wird von Fans für Fans geschrieben, dennoch sind die Übergänge zwischen Fan Fiction und professionell veröffentlichter Literatur fließend: Es kommt vor, dass Fan Fiction so gut ist, dass ihren Autoren Verträge von Verlagen angeboten werden, und manchmal wird sie auch von professionellen Autoren verfasst. Beispielsweise hat der Schriftsteller H. P. Lovecraft, der sich selbst zeitlebens als Amateur sah und erst nach seinem Tod zu wirklicher Berühmtheit gelangte, andere Autoren immer wieder ermutigt, ihre eigenen Geschichten zu seinem Cthulhu-Mythos beizusteuern. Unter den zahlreichen Lovecraft-Fans, die den Mythos seitdem durch ihre Ideen erweitert haben, befinden sich nicht nur Amateure, sondern auch bekannte Schriftsteller wie Harlan Ellison, Wolfgang Hohlbein, Clive Barker, der „Conan“-Autor Robert E. Howard sowie Stephen King.

Letzterer berichtet übrigens in seiner Autobiografie, dass es sich schon bei seiner ersten veröffentlichten Geschichte um typische Fan Fiction handelte: Das Werk basierte auf dem Roger-Corman-Film „Das Pendel des Todes“, den er gerade gesehen hatte. (Nachdem er im Keller 40 Exemplare seiner Geschichte gedruckt hatte, verkaufte er sie auf dem Schulhof, doch eine erboste Lehrerin verlangte später, dass er diesen „Schund“ wieder einsammelte und seinen Mitschülern ihr Geld zurückgab.) Jahre später – und mittlerweile als erfolgreicher Autor – veröffentlichte Stephen King nicht nur Fan Fiction zum Cthulhu-Mythos, sondern schrieb auch Geschichten, die von Sherlock Holmes oder den Zombiefilmen des Regisseurs George A. Romero handelten.

Die Haltung der Produzenten und Autoren

Hier entstand der erste Band der legendären Saga - The Elephant House in Edinburgh

Die Autoren der Originale stehen Fan Fiction unterschiedlich gegenüber: So fasst es J. K. Rowling beispielsweise als Lob für ihre Arbeit auf, dass sich so viele Leser ihre eigenen Harry-Potter-Geschichten ausdenken. Auch George Lucas steht der Fan Fiction wohlwollend, wenn auch nicht ganz unkritisch gegenüber. („Star Wars“ hat in diesem Bereich eine der ältesten Fangemeinden überhaupt: Bereits 1978 erschien die erste Fangeschichte in Romanlänge, und inzwischen haben Fans sogar eigene Filme in nahezu professioneller Qualität gedreht.) Sowohl Rowling als auch Lucas bestehen allerdings darauf, dass keine pornografischen Fangeschichten veröffentlicht werden. „Twilight“-Autorin Stephenie Meyer verlinkt auf ihrer Homepage diverse Seiten mit Fan Fiction; dagegen ist Anne Rice, die Autorin von „Gespräch mit einem Vampir“ und „Chronik der Vampire“, eine ausgesprochene Gegnerin von Fan Fiction und hat wiederholt darauf bestanden, dass solche Geschichten aus dem Internet genommen werden: Sie ist der Ansicht, dass die Fans sich lieber ihre eigenen Charaktere ausdenken sollen. Häufig betrachten Autoren die Anzahl der Fangeschichten, die im Internet zu finden sind, als Gradmesser ihrer Popularität, verzichten aber selbst darauf, solche Geschichten zu lesen, da sie vermeiden wollen, dass ein Verfasser von Fan Fiction sie irgendwann des Ideenklaus beschuldigt.

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